Bildung trägt zum Schutz des Tumucumaque-Nationalpark bei

Brasilianischen Regenwald zu schützen ist kein leichtes Unterfangen. Realistische, effektive und nachhaltige Lösungen brauchen zunächst ein tiefgreifendes Verständnis der Probleme vor Ort, denn sowohl politische und ökonomische als auch kulturelle Aspekte haben Einfluss auf das Überleben dieser einzigartigen Biosphäre. Und während es keine schnelle Antwort zu geben scheint, sagen manche, man solle am besten “vorne anfangen”. Der WWF-Brasilien tat genau das: mit einem Bildungsprogramm für Lehrer der Gemeinden in und in der Nähe von Schutzgebieten. Ligia Paes de Barros erklärt die Details zu dem von Ecosia unterstützten Projekt.
WWF Report | Von Ligia Paes de Barros, WWF-Brasilien
Eine der wesentlichen Herausforderungen denen das Management-Teams des Montanhas do Tumucumaque Nationalparks begegnet ist es, den Menschen der Region den Wert ihrer artenreichen Umwelt zu vermitteln.
Die Verantwortlichen der Schutzgebiete, die seit acht Jahren in der Region sind, realisierten, dass drei Leute allein niemals die 4 Millionen Hektar schützen können. Sie müssen die lokale Bevölkerung einbeziehen.
Wir müssen “vorne anfangen“, so der Paulo Russo, Koordinator für Umweltbildung und zuständig für Vermittlungsfragen mit der Gemeinde und Institutionen des Tumucumaque-Nationalpark. Daraus entstand der Kurs Projektbezogene Bildung zu Umweltthemen.
Der Kurs, angeboten mit Unterstützung von Ecosia und dem WWF-Brasilien, richtet sich an Lehrer öffentlicher Schulen im Staat Amapa und vermittelt ein umfassendes Bild über den Tumucumaque-Nationalpark, seine Bedeutung und das Gebiet, welches er umfasst. Nach erfolgreicher Teilnahme können die Lehrer Projekte in ihren eigenen Schulen initiieren.
„Der Kurs für Lehrer ist Teil der Kommunikationsstrategie des Parks. Er ist ein Hilfsmittel, um mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen. Keine einzige Stadt oder Siedlung hat ihren Lehrern den Kurs bisher verwehrt. Außerdem können wir durch den Kurs das Thema Naturschutz von einem anderen Blickwinkel aus betrachten“, erklärt Russo.
Der Kurs
Der dreistufige Kurs findet in Zusammenarbeit mit der Federal University von Amapa – der Unifap – statt. In der Phase 1 soll die Sensibilität und Aufmerksamkeit für die Umwelt erhöht werden. Sie beinhaltet eine Analyse der involvierten Gemeinden; Schulen und Stadtverwaltungen werden kontaktiert und um Unterstützung gebeten.
In Phase 2 geht es um die eigentliche Kompetenzschulung der Lehrer. In Phase 3 um die nachträgliche Begleitung, in der das Park-Team die Lehrer besucht und in ihren Verhandlungen mit den Staat- und Gemeinderegierungen dabei unterstützt, eigene Projekte zu implementieren.

Drei Kurse fanden bisher statt: in Serra do Navio, in Oiapoque und in Porto Grande. Der Kurs in Oiapoque war eine gemeinsame Unternehmung mit dem Cabo Orange Nationalpark zu Gunsten beider Schutzgebiete. Der Kurs in Porto Grande wurde von drei Teams verschiedener Schutzgebiete gemeinsam realisiert.
Mitarbeiter des Amapa Nationalforstes unterrichteten die Kurse, die fachliche Unterstützung kam vom Team der Nationalparks Tumucumaque und Cabo Orange. Ungefähr 25 Lehrer nahmen pro Kurs teil und arbeiten jetzt mit ihren Schülern an eigenen Projekten. Die Kurse in den drei Gemeinden sind in Phase 3 angekommen; die Parkmanager begleiten die Projekte in den Schulen und unterstützen bei der Planung aufbauender Workshops.
Beispielsweise erarbeitet ein Workshop in Serra do Navio, welcher von der Unifap unterrichtet wurde, mit den Schülern, wie man Dokumentarfilme produziert. Ein weiterer Workshop plant eine Theatergruppe zu initiieren.
Mehr über die Kurse erfahren Sie in diesem Blog (in portugiesich).
Die Ergebnisse
Die Schulungen in den drei Gemeinden zeigen erste Erfolge.

„Ich war glücklich zu hören, dass es einen Nationalpark und so viele schöne Dinge, von denen ich nichts wusste, ganz in der Nähe gibt. Wir lernen jetzt, die Natur um uns herum besser zu beschützen“, berichtet der 15jährige Daniel Negrão der Duque de Caxias Schule in Oiapoque. (Links im Bild)
Das Team von ICMBio (Chico Mendes Institute for Protection of Brazilian Biodiversity) ist mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. Ein Angestellter des Parks, Marcela de Marins, der in Serra do Navio lebt, spricht von einer erkennbaren Verbesserung und Intensivierung der Beziehung der Bewohner zu ihrer Umwelt.
„Jetzt wissen sie, wer wir sind und sie wissen ein bisschen mehr über unsere Arbeit. Das war vorher nicht so“, so Marins.
Russo meint, die Ziele, eine engere Beziehung zur Bevölkerung herzustellen und sie für Umweltschutz zu sensibilisieren, seien erreicht.
„Die Idee war es nicht nur eine weitere Informationsveranstaltung durchzuführen, wir wollten mehr. Es war uns wichtig, eine Bindung mit den Gemeinden aufzubauen. Wir wünschen uns eine Beziehung, welche den politischen Winden und Diskursen sowie den Versuchungen des momentan vorherrschenden Wirtschaftssystems trotzen kann“, erklärt Russo.
Das Team des WWF-Brasilien konnte sich bereits selbst davon überzeugen, wie viel Veränderung das Schulungsprojekt und die Unterstützung von WWF und Ecosia in die Region gebracht hat.
Die Meinung der Lehrer
Die teilnehmenden Lehrer sehen die Initiative als großartige Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu erweitern, denn gewöhnlich sind solche Kurse rein theoretisch und ohne praktische Inhalte. Die Teilnehmer sprachen einstimmig von einer sehr inspirierenden Erfahrung.
„Kleine, praktische Übungen haben uns gezeigt, wie wir unseren Schülern helfen können, Aspekte des Umweltschutzes zu verstehen und in ihr Leben zu integrieren. Die Kurse waren sehr praxisbezogen“, meint Josenira dos Santos. Sie ist Lehrerin an der staatlichen Schule Hermelino Gusmão in Serra do Navio. „Jetzt wissen wir mehr über den Park und fühlen uns enger mit ihm verbunden“, ergänzt sie.
Edson Sampaio unterrichtet an der staatlichen Duque de Caxias Schule in Oiapoque und sieht den wesentlichen Unterschied zu anderen Kursen in der Begleitung seiner Arbeit danach.
„Sie sind in meinen Unterricht gekommen und haben uns unterstützt. Die Schüler sind viel motivierter, wenn sie wissen, dass das Park-Team wiederkommt und sich für ihr Erlerntes interessiert“, sagt Sampaio.


Cristiane Menezes ist Verantwortliche für den Kurs sowie Koordinatorin des Botanischen Labors und verantwortlich für Umweltbildung an der Federal University von Amapa. Sie nahm den Kurs als großartige Chance für alle Beteiligten war. Besonders spannend war es für die Referenten, die sich um die aktive Teilnahme der Lehrer bemüht haben, um den Kurs erfolgreich zu machen.
„Der erste Tag des Kurses ist der, an dem man gewinnt oder verliert. Verlieren wir, ist der komplette Kurs unbrauchbar - da geht es immer sehr dynamisch zu. Kunstpädagogik und Rollenspiele brachten letztendlich den Erfolg. Alle Lehrer waren zu 100% dabei und sie blieben bis zum Ende. Wir waren sehr zufrieden“, sagt Menezes.
Die Kursteilnehmer haben uns diese Anstrengungen gedankt: „Der Kurs war sehr interessant, weil das Team hochmotiviert war. Es war spannend, die Unterrichtstechniken und die Organisation des Kurses zu beobachten. Der Kurs war wirklich sehr gut und relevant für uns“, so Aldo Pantoja, Lehrer an der Duque de Caxias Schule in Oiapoque.
Aldo und Edson initiierten jeweils ein Projekt zur Förderung der Wertschätzung des ökologischen Reichtums durch ihre Schüler. Im folgenden erfahren Sie mehr über Aldos Engagement.
Lehrer für die Wertschätzung des Naturerbes Oiapoque
Die Kursteilnahme war für Aldo Pantoja (links im Bild) der Anlass, ein langfristiges Projekt umzusetzen: Er möchte den Bewohnern und Besuchern mehr über die „gute Seite“ von Oiapoque vermitteln.
Deshalb setzte Aldo nach dem Kurs ein Projekt mit seinen Kollegen um, welches bereits von Schülern verwirklicht wird. Die Idee ist es, den ökologischen und kulturellen Reichtum der Region bekannter zu machen.
Sie arbeiteten an einer Umfrage, die Wasserfälle, Flussstrände und Orte außerordentlicher Schönheit identifizieren soll - auch für das Gebiet des Tumucumaque-Nationalparks, um zu Parkbesuchen anzuregen und dadurch die Wertschätzung für den ökologischen Reichtum in der Bevölkerung zu stärken.
Für Aldo selbst ist das ein Leichtes. Er kennt die Gegend um Oiapoque wie seine Westentasche. Als jüngstes von 13 Geschwistern ist er hier geboren und auch seine Mutter stammt aus Oiapoque, sein Vater hingegen ist ursprünglich aus dem Nachbarstaat Para. Mit dem Schutzgebiet ist er, insbesondere durch seine Arbeit als Lehrer mit indigenen Völkern am Flussufer, bestens vertraut.
Sein Projekt ist sehr erfolgreich. Als die Kursreferenten ihn besuchten, hatte er bereits alle Schüler der 7. und 8. Klasse für seine Idee gewonnen. Sie beschäftigten sich gerade damit, einen Ausflug für ihre Mitschüler zu organisieren und gestalteten sogar T-Shirts, Rucksäcke und Caps, die mit Unterstützung der Gemeinde produziert werden konnten.
Die Lehrer schreiben außerdem den Blog The good side of Oiapoque (in portugiesich). Für sie ist es ein Privileg, in der Nähe des Tumucumaque-Nationalparks zu leben.
„Wir leben eigentlich zwischen zwei Nationalparks, sind genau in der Mitte zweier Gebiete unermesslichen, ökologischen Reichtums und wir haben es bisher nicht geschätzt. Das versuchen wir unseren Schülern zu vermitteln. Wenn sie die Gegend besser kennenlernen, sind sie dankbarer dafür, wo sie leben und lernen sie zu schätzen“, sagt Aldon.
Oiapoque, die Gemeinde am Rande Brasiliens

Die Gemeinde Oiapoque ist bekannt für ihre Lage: direkt an der Atlantikküste, im äußersten Nordosten Brasiliens. Ansonsten ist wenig von der 20.000 Einwohnerstadt an der Grenze zu Französich-Guyana bekannt.
Der Name der 1945 entstanden Stadt ist abgeleitet von ursprünglichen Namen oyap oca, was “zu Hause der Oiampis [Wayampi]” bedeutet - zu Hause einer indigenen Bevölkerungsgruppe. Oiapoque liegt direkt am gleichnamigen Fluss und wird touristisch vor allem von den Bewohnern der anderen Flussseite aus Französisch-Guyana und auch Frankreich selbst besucht.
Die enge Beziehung mit der Stadt Saint George auf der anderen Seite des Flusses führt dazu, dass viele Brasilianer der Gegend auch französisch sprechen oder zumindest verstehen.
Die Gemeinde ist eine Enklave in der unermesslichen Weite des Amazonas, in dessen Grenzen diverse Schutzgebiete liegen. Neben dem Tumucumaque-Nationalpark und dem Cabo Orange Nationalpark gibt es den Nationalforst des Staates Amapa und indigene Territorien Uaçá I und II sowie Galini und Juminá.
Quelle: BGE [Brazilian Geography and Statistics Institute]

Der Nordöstlichste Zipfel Brasiliens: Das Militärdistrikt von Oiapoque

Die Brücke verbindet Brasilien und Französisch-Guyana


Fischerboote im Hafen von Oiapoque

Transportboote auf dem Oiapoque-Fluss
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Alle Fotos: WWF-Brasilien/ Luciano Candisani
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